Das
Vamos sollte nun wirklich nicht unter Neuausrichtung und Audimaxplänen leiden. Darüber herrschte breiter Konsens innerhalb wie außerhalb der Uni. Die Geschäftsführung wähnte sich sicher: Schließlich besteht ein Vertrag bis 2014 und jenseits aller Gerüchte hätte man vom Präsidium noch nichts gegenteiliges gehört. Bis heute.
Da wurde nämlich publik, dass Holm Keller einen Brief an den Campus e.V. geschrieben hat, mit der Aufforderung, den Vertrag für das
Vamos vorzeitig zu lösen. Es sei beim Neubau eines Audimax im Wege und solle abgerissen werden. Und zwar dringend, denn davon, ob der Verein grünes Licht gebe, hänge ab, ob die Uni
Fördergelder zum Audimaxbau heben könne.
Einmal mehr wird also ein Dementi in sein Gegenteil verkehrt. Einmal mehr versucht das Präsidium, seine Pläne mit
Überumpelungstaktik durchzusetzen. Die
Vamos-Leitung steht nun unter immensem Druck. An ihrer Entscheidung hängt ein Multimillionen-Euro-Projekt, so wird es jedenfalls suggeriert. Wer möchte in deren Haut stecken? Egal, wie sich Campus e.V. entscheidet, der Verein kann es nur noch falsch machen und entweder als
Mitvernichter eines Stücks
Lüneburger Uni-Kultur dastehen oder als Audimax-
Verhinderer.
Immerhin bietet das Präsidium an, das
Vamos neu zu errichten. Hier ist allerhöchste Skepsis angesagt. Nicht nur weil wir wissen, was von Versprechen seitens
Sascha Spoun oder Holm Keller zu halten ist. Nicht nur weil wir ahnen, dass dann zunächst der Neubau propagiert, aber dann mit fadenscheiniger Begründung wieder fallengelassen werden könnte, wenn die Strukturen erst einmal zerstört sind. Sondern auch, weil:
- es fraglich ist, wie Audimax/Stadthalle und Vamos nebeneinander bestehen können.
- das Vamos vor kurzem erst mit EU-Geldern saniert und ausgebaut worden ist, und nun mit EU-Geldern abgerissen werden soll.
- die erstgenannten EU-Gelder im Falle eines Abrisses evtl. zurückgezahlt werden müssen, und zwar zu Lasten des Campus e.V.
- der Campus e.V. den Einnahmen-Ausfall Abriss-/Neubauphase finanziell kaum überstehen kann.
- und weil das Präsidium den Neubau des Vamos verspricht, obwohl es noch gar nicht weiß, woher das Geld dafür und das Audimax insgesamt kommen soll.
Immerhin spricht ja auch Dr.
Spoun immer wieder von den vielen Unsicherheiten und Etappen, die für das Audimax noch genommen werden müssen und
wettet einen Kasten Bier, dass das Audimax
nicht gebaut wird. Soll Campus e.V. etwa unter solchen Umständen einem Abriss zustimmen?
Was ginge mit dem
Vamos verloren? Ein Stück Kultur, das sagt sich so dahin. Die Tanzveranstaltungen haben sich bisher angenehm von den üblichen
Discos abgehoben, was Musik und Publikum betrifft. Das
Vamos holte sehr interessante Konzerte in die Stadt von Stefan
Gwildis über
BAP und Torfrock bis
Annett Louisan. Wenn das alles gar nicht interessiert: Der Campus e.V. hat immerhin 30 feste Mitarbeiter und bietet 140 Studenten Nebenjobs. Das
Vamos subventioniert die kleineren (und durchaus innovativen) Betriebe, die zum Campus e.V. gehören. Campus
Copy, Entdecker-Reisen,
KonRad, die Cafés
Venuto, Neun und
Viva, Campus Wohnen und nicht zuletzt Campus Mobil stünden auf der Kippe oder müssten ihre Preise anheben.
Auf den Kahlschlag in der Lehre folgt also nun der kulturelle Kahlschlag? Selbst
OB Mägde, Mitunterzeichner der Audimax-Partnerschaft zwischen Stadt und Uni, sagt:
Es muss möglich sein, Audimax und Halle nebeneinander bestehen zu lassen - ohne Abriss.
Und was sagt Holm Keller?
Es gibt noch keine Planung, wir prüfen nur alle Optionen für den Fall eines Baus.
Das ganze sei ein
"Optionsraum" der geprüft werde. Abgesehen davon, dass dieses
Bullshit-
Bingo langsam unerträglich wird: Das klingt ziemlich anders als im Brief an Campus e.V., wo er schreibt,
die Entscheidung habe Eilbedürftigkeit, weil sonst öffentliche Mittel nicht fristgerecht abgerufen werden könnten.
Wer sich jetzt die Augen reibt und verwundert feststellt, dass ihm diese Masche doch sehr bekannt vorkommt, muss erkennen: Das Vorgehen von
Spoun und Keller hat Methode. Die Maschen sind immer dieselben. Und die Lügen gehören dazu.