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Samstag, 23. Juni 2007
Sascha Spoun steht Rede und Antwort
Wer bisher keine Zeit hatte, zu den Infoveranstaltungen zu kommen, kann das nachholen. Unter dem Titel "Quo vadis Leuphana" halten die Grünen Ratsherren eine öffentliche Fraktionssitzung ab. Sie findet am Montag 25.06. ab 19.30 in der Handwerkskammer Friedrichstraße statt. Dr. Spoun will an diesem Abend die Neuausrichtung erläutern und auf Frage eingehen.
Dienstag, 5. Juni 2007
Leuphana-Semester als Oberstufen-Ersatz
Die Universtität Leuphana wird von allen Seiten mit Lob überschüttet. Das hat heute die LZ nochmal nett zusammengefasst. Unter anderem hat sich das Leuphana-College beim "Forum Bildung" der SPD zusammen mit zwei anderen Bildungseinrichtungen vorgestellt. Die Abschlussrede hielt SPD-Vorsitzender Kurt Beck. Was er genau dort für eine Rede gehalten hat, steht freilich nicht dabei, Hauptsache Dr. Spoun sonnt sich in Prominenz. Weniger prominente Teilnehmer dieser Veranstaltung äußerten allerdings sehr heftige Kritik (entsprechende Aussagen liegen uns vor).
Ein wichtiges Problem sei, dass das Abitur die Bewerber nicht mehr genügend aufs Studium vorbereite. Dies wird als Grund genannt für das Leuphana-Semester, Komplementärstudium usw. An und für sich ist das ein sehr lobenswerter Gedanke, die Frage ist nur, wie sich das mit der verkürzten Studiendauer des Bachelor vereinbaren lässt. Die Antwort ist wohl: Gar nicht. Großes Vorbild USA: In Stanford würden die ersten 4 Semester aus allgemeinbildenden Studieninhalten bestehen, wobei aber unterschlagen wird, dass es dort ein Abitur wie in Deutschland gar nicht gibt und die Lerninhalte eines College ungefähr mit der hiesigen Oberstufe vergleichbar sind. Vor dem Hintergrund ist auch interessant, dass viele Länder mittlerweile die 13. Klasse zum Abi abgeschafft haben.
Zurück zur Frage: Was wäre der richtige Weg, künftig Abiturienten sicher durchs Studium zu bringen? a) Das Abitur und die Oberstufie reformieren? b) dafür sorgen, dass in den einzelnen Studiengängen anfangs das konkret für diesen Studiengang notwendige Grundlagenwissen vermittelt wird? Oder c) von den ohnehin schon sehr kurzen 6 Semestern noch ein Semester abknapsen und dieses fast so unspezifisch gestalten wie die bisherige Oberstufe?
Das Präsidium hat sich für c) entschieden, nennt das ganze "Leuphana-Semester", verwendet altbekannte Rezepte wie das altbekannte und vormals mehrfach gescheiterte Einführungssemester und verkauft uns das ganze auch noch als "Innovation" (lat. für Neuerung).
Ein wichtiges Problem sei, dass das Abitur die Bewerber nicht mehr genügend aufs Studium vorbereite. Dies wird als Grund genannt für das Leuphana-Semester, Komplementärstudium usw. An und für sich ist das ein sehr lobenswerter Gedanke, die Frage ist nur, wie sich das mit der verkürzten Studiendauer des Bachelor vereinbaren lässt. Die Antwort ist wohl: Gar nicht. Großes Vorbild USA: In Stanford würden die ersten 4 Semester aus allgemeinbildenden Studieninhalten bestehen, wobei aber unterschlagen wird, dass es dort ein Abitur wie in Deutschland gar nicht gibt und die Lerninhalte eines College ungefähr mit der hiesigen Oberstufe vergleichbar sind. Vor dem Hintergrund ist auch interessant, dass viele Länder mittlerweile die 13. Klasse zum Abi abgeschafft haben.
Zurück zur Frage: Was wäre der richtige Weg, künftig Abiturienten sicher durchs Studium zu bringen? a) Das Abitur und die Oberstufie reformieren? b) dafür sorgen, dass in den einzelnen Studiengängen anfangs das konkret für diesen Studiengang notwendige Grundlagenwissen vermittelt wird? Oder c) von den ohnehin schon sehr kurzen 6 Semestern noch ein Semester abknapsen und dieses fast so unspezifisch gestalten wie die bisherige Oberstufe?
Das Präsidium hat sich für c) entschieden, nennt das ganze "Leuphana-Semester", verwendet altbekannte Rezepte wie das altbekannte und vormals mehrfach gescheiterte Einführungssemester und verkauft uns das ganze auch noch als "Innovation" (lat. für Neuerung).
Sonntag, 3. Juni 2007
Holm Keller gibt wieder Interviews
Nach vergangenen Entgleisungen gibt Holm Keller mal wieder ein Interview, diesmal dem Unicum. Neues steht da freilich kaum drin. Unicum fragt nach dem Ursprung des Namens "Leuphana" und Holm Keller erhebt ihn zum Symbol der Neuausrichtung ganz so, als habe es die Kritik der letzten Monate überhaupt nicht gegeben. Und im Kasten daneben wird wieder auf Ptolemäus bezug genommen, obwohl längst bekannt ist, dass die Zuordnung Leuphana-Lüneburg einfach nur Unfug ist.
Spannender wird es, wenn Holm Keller (wohl zu recht) den bisherigen Bachelor kritisiert. Der sei keine ausreichende Ausbildung für den Berufseinstieg. Eine Aussage, die unsere Bachelor-Absolventen am besten gleich in ihre Bewerbungsmappen heften. Holm Keller will mit 40 Unternehmen gesprochen haben, was die sich so wünschen. Eine wahrhaft repräsentative Stichprobe.
Logische Konsequenz wäre eigentlich, den Leuphana-Bachelor stark an wirtschaftlichen Interessen auszurichten, was darauf hinausliefe, Fachleute auszubilden. Speziell für die ehemaligen FH-Studiengänge wäre das sehr sinnvoll. Auf der anderen Seite steht aber die Kritik am "Fachidiotentum", das durch ein Schmalspurstudium entsteht. Deshalb gibt es im Leuphana-Bachelor nun Leuphana-Semester, Major, Minor und das Komplementärstudium. All das in nur sechs Semestern natürlich inklusive Praktika.
Wird also die Fachausbildung noch oberflächlicher? Oder wird sie vertieft, wobei vom Studieren "in die Breite" doch nichts übrig bleibt? Welche dieser beiden Fragen man auch bejaht, in der anderen Frage werden wir belogen. Es sei denn, wir lassen eine dritte Frage zu: Oder wird man für ein adäquates Studium doch viel mehr als 6 Semester brauchen, sodass ein solches Studium nur noch für Überflieger und Elitestudenten interessant und relevant sein dürfte? Darauf deutet ja vieles hin...
Spannender wird es, wenn Holm Keller (wohl zu recht) den bisherigen Bachelor kritisiert. Der sei keine ausreichende Ausbildung für den Berufseinstieg. Eine Aussage, die unsere Bachelor-Absolventen am besten gleich in ihre Bewerbungsmappen heften. Holm Keller will mit 40 Unternehmen gesprochen haben, was die sich so wünschen. Eine wahrhaft repräsentative Stichprobe.
Logische Konsequenz wäre eigentlich, den Leuphana-Bachelor stark an wirtschaftlichen Interessen auszurichten, was darauf hinausliefe, Fachleute auszubilden. Speziell für die ehemaligen FH-Studiengänge wäre das sehr sinnvoll. Auf der anderen Seite steht aber die Kritik am "Fachidiotentum", das durch ein Schmalspurstudium entsteht. Deshalb gibt es im Leuphana-Bachelor nun Leuphana-Semester, Major, Minor und das Komplementärstudium. All das in nur sechs Semestern natürlich inklusive Praktika.
Wird also die Fachausbildung noch oberflächlicher? Oder wird sie vertieft, wobei vom Studieren "in die Breite" doch nichts übrig bleibt? Welche dieser beiden Fragen man auch bejaht, in der anderen Frage werden wir belogen. Es sei denn, wir lassen eine dritte Frage zu: Oder wird man für ein adäquates Studium doch viel mehr als 6 Semester brauchen, sodass ein solches Studium nur noch für Überflieger und Elitestudenten interessant und relevant sein dürfte? Darauf deutet ja vieles hin...
Unicum: Sie sagten vorhin, dass der Bachelor bei Arbeitgebern nicht besonders viel zählt. Aber wie wollen Sie gewährleisten, dass der Leuphana- Bachelor in dieser Hinsicht eine Ausnahme ist?Ignoranter geht es wohl nicht mehr... Das komplette Interview kann hier nachgelesen werden.
Holm Keller: Mit Sicherheit sagen können wir das auch nicht. Wir glauben indes zu verstehen, was Arbeitgeber wollen, und haben unseren Studiengang dementsprechend ausgerichtet. Aber es geht uns ja nicht nur um die Erwartungen möglicher Arbeitgeber. Wir wollen unseren Studierenden interessante Erfahrungen, Verantwortungsbewusstsein und einen gewissen Stolz mitgeben. Und die Resonanz, die der Leuphana-Bachelor bisher von den vielen studentischen Mitarbeitern unseres Teams bekommen hat, ist sehr positiv.
Samstag, 28. April 2007
Saschas Rundbrief
Zeitgleich zu den ersten Ergebnissen der Klagemauer veröffentlicht Dr. Spoun einen Rundbrief. Ganz offensichtlich merkt auch er, wie schlecht die Stimmung unter den Studierenden ist, aber so richtig befriedigend geht er auf die Fragen nicht ein.
Der erste Teil des Briefes befasst sich mit dem Thema Studiengebühren, deren Verwendung und dem Aufruf, Verbesserungsvorschläge und Ideen an die entsprechenden Mitarbeiter heranzutragen. In diesem Teil prasseln die die Sichworte zum Thema Lehre auf den Leser ein: zusätzliche Lehraufträge, Gastprofessuren, Tutorien, studentische Lehrprojekte, Förderung innovativer Veranstaltungen usw. usf. Klingt alles ganz toll, aber der Leser übersieht schnell, was alles nicht drinsteht: Konkrete Angaben zur Verbesserung der Lehre. Konkrete Angaben zur Neuausrichtung. Darüber hinaus verwischt der Brief die Tatsachen: Die Studiengebühren dürfen nämlich laut NHG nicht für den Kernbereich der Lehre sondern nur für begleitende Maßnahmen eingesetzt werden. Tatsächlich verschlechtert sich die Lehre rapide durch Professorenschwund und Einstellungsstopp.
Im zweiten Teil beruhigt uns Sascha: Wir können alle noch geordnet zu ende studieren. Warum wird eine solche Selbstverständlichkeit überhaupt erwähnt? Immerhin muss sich dieUniversität Leuphana an geltende Verträge und Lehrverpflichtungen halten. Tatsächlich wird auf die Lehre eingegangen: 4 Juniorprofessuren sind ausgeschrieben, was allerdings seine Zeit brauche. Unterm Strich wird der Zustand der Lehre nach Besetzung dieser Stellen immer noch schlechter sein als vor 1-2 Jahren.
Der letzte Abschnitt handelt von der Neuausrichtung. Einziges erwähntes Faktum ist das geplante Teilzeitstudium. Davon abgesehen gibt Dr. Spoun keinerlei Hinweise dazu, wohin denn die Reise überhaupt gehen soll und geht kaum auf unsere Kritik ein. Stattdessen begibt er sich auf Nebenkriegsschauplätze:
Universität Leuphana auch immer sei: sie häuft Überschüsse an, die nicht in die Lehre investiert werden, was durch solche Aussagen verschleiert werden soll. Und was ist mit all den anderen Lügen Zitaten, die uns aufregen? Z.B. das "Komplettgerücht" Audimax?
Schließlich geht Dr. Spoun noch auf Logo/Name/Webseite ein und spricht davon, dass diese Äußerlichkeiten durchaus wichtig seien. Das ganze gipfelt in salbungsvolles Blabla:
Jedenfalls lässt dieser Brief mehr Fragen offen, als er beantwortet. Und da wo er auf die Fragen eingeht, bleibt er im ungefähren. Stichpunkte: Audimax, Ziel der Reformen, Kaputtsparen der Lehre. Nicht zu vergessen: Wer einmal lügt...
Der erste Teil des Briefes befasst sich mit dem Thema Studiengebühren, deren Verwendung und dem Aufruf, Verbesserungsvorschläge und Ideen an die entsprechenden Mitarbeiter heranzutragen. In diesem Teil prasseln die die Sichworte zum Thema Lehre auf den Leser ein: zusätzliche Lehraufträge, Gastprofessuren, Tutorien, studentische Lehrprojekte, Förderung innovativer Veranstaltungen usw. usf. Klingt alles ganz toll, aber der Leser übersieht schnell, was alles nicht drinsteht: Konkrete Angaben zur Verbesserung der Lehre. Konkrete Angaben zur Neuausrichtung. Darüber hinaus verwischt der Brief die Tatsachen: Die Studiengebühren dürfen nämlich laut NHG nicht für den Kernbereich der Lehre sondern nur für begleitende Maßnahmen eingesetzt werden. Tatsächlich verschlechtert sich die Lehre rapide durch Professorenschwund und Einstellungsstopp.
Im zweiten Teil beruhigt uns Sascha: Wir können alle noch geordnet zu ende studieren. Warum wird eine solche Selbstverständlichkeit überhaupt erwähnt? Immerhin muss sich die
Der letzte Abschnitt handelt von der Neuausrichtung. Einziges erwähntes Faktum ist das geplante Teilzeitstudium. Davon abgesehen gibt Dr. Spoun keinerlei Hinweise dazu, wohin denn die Reise überhaupt gehen soll und geht kaum auf unsere Kritik ein. Stattdessen begibt er sich auf Nebenkriegsschauplätze:
Dass dabei auch mal ein falsches Zitat veröffentlicht wird – so kürzlich in der FAZ, die „eine der am schlechtesten finanzierten Universitäten“ nicht korrekt wiedergegeben hatte – ist ärgerlich. Jedoch beschädigen einzelne Schnitzer eines Journalisten wohl kaum unsere zentrale Botschaft.Wer die Vorgänge verfolgt hat, weiß wie lächerlich diese Aussage ist. Negatives bleibt immer haften. Wie schlecht finanziert die
Schließlich geht Dr. Spoun noch auf Logo/Name/Webseite ein und spricht davon, dass diese Äußerlichkeiten durchaus wichtig seien. Das ganze gipfelt in salbungsvolles Blabla:
Erinnern wir einander daran, dass es die Universitätsgemeinschaft ist, die bestimmen kann, wofür der Name steht: was uns verbindet, und wer wir sein wollen. Nur gemeinsam kann der Name der Universität zum Klingen gebracht und mit Leben gefüllt werden – eine spannende Aufgabe.Im Grunde der Gipfel der Unverfrorenheit: eine äußerst zweifelhafte Neuausrichtung, ein hirnverbrannter Uni-Name und ein unseriös wirkender Außenauftritt werden uns in "Friss-oder-stirb"-Manier vorgesetzt, und nun sollen wir dafür verantwortlich sein, das nie gewollte mit Leben zu füllen?
Jedenfalls lässt dieser Brief mehr Fragen offen, als er beantwortet. Und da wo er auf die Fragen eingeht, bleibt er im ungefähren. Stichpunkte: Audimax, Ziel der Reformen, Kaputtsparen der Lehre. Nicht zu vergessen: Wer einmal lügt...
Samstag, 24. März 2007
Ziele und Fahrplan
Dieses PDF-Dokument skizziert grob die Ziele der Neuausrichtung und den Zeitplan dorthin.
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Im Sinne des Ministers
Professoren, Fachbereiche, Studenten befürchten eine einseitige Ausrichtung auf die Belange der Wirtschaft, vereinfacht gesagt: Dass die Uni zu einer Business School mit KuWi-Feigenblatt wird. Dies wird jedoch von der Uni-Leitung dementiert. Dabei hat Bildungsminister Stratmann in einem Deutschlandradio-Interview bereits 2006 gesagt, wohin die Reise geht:
Das hat mit Anforderungen zu tun, die durch hohe Innovationsgeschwindigkeiten, durch veränderten Bedarf der Wirtschaft usw. zu tun haben. Das bedeutet in der Tat, dass sozusagen der anwendungsorientierten Ausbildung...Stratmanns Geschwafel hat geradezu stoibersche Qualitäten:
Also es wird universitäre Studiengänge geben, bei denen vielleicht dann die Ergebnisse der Evaluation zutage bringen, dass es sich nicht um einen Studiengang handelt, der von sich in Anspruch nehmen darf, universitären Charakter zu haben. Das wird so sein, und dann wird man mit der Universität in Gespräche eintreten müssen, wie man mit diesem Studiengang umgeht, ob man ihn etwa so umstrukturiert, dass universitärer Charakter entsteht, oder ob man dann ehrlicherweise sagt, hier besteht eher der Raum für eine starke Anwendungsorientierung, dann machen wir es auch, und dann habe ich dort einen Bachelor erworben, der dann eher ein Fachhochschulbachelor ist, wobei wir ja auch diese Differenzierung nicht mehr vornehmen, ich meine, das ist eben doch sehr komplex, das Thema, ich spreche deshalb eben ungern von den Institutionen, sondern ich spreche deshalb lieber von den Studiengängen, also von den anwendungsorientierten oder von den wissenschafts- und forschungsorientierten Studiengängen.Zusätzlich zu Bachelor und Master also noch die Abstufung Bachelor (FH) und Master (FH)? Das nennen wir dann Leuphana-Bachlor, weils besser klingt...
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Donnerstag, 22. März 2007
Meinungen zu Leuphana
Die Landeszeitung überschlägt sich mit Lob. Heute hat sie unter anderem kleine Bildchen von Studenten mit Kurzmeinung abgedruckt. Tenor: irgendwie gut, irgendwie interessant, eigentlich wissen wir von nichts, abwarten. Woher sollen die armen Studis auch etwas wissen über einen Prozess, zu dem bisher kaum etwas vernünftig kommuniziert wurde? Insider haben da durchaus ihre Meinung, z.B.
Studierendenparlament und ASTA:
oder Politikreferat des ASTA:
oder die UmWis Mathias Schröter und Sebastian Heilman, die KuWi Johanna Eisenschmidt und der KuWi Jan-Sebastian Ebert:
Und last not least der studentische Senator Caspar Heibl:
Studierendenparlament und ASTA:
...ist die Umstrukturierung der Universität Lüneburg zu der Marke „Leuphana Universität Lüneburg“ nachvollziehbar, aber grundsätzlich abzulehnen. An die wirtschaftlichen Interessen angepasst, sollen Leuphana-Abgänger von einem individuellen Persönlichkeitsbild geprägt sein und die auf dem Arbeitsmarkt erforderliche Vielseitigkeit mitbringen. [...] Eine soziale Selektion ist leider abzusehen, die Idee einer freien Bildung für Jedermann bleibt zurück. [...] Im Laufe des letzten Jahres haben sich jedoch einige Versäumnisse in der Kommunikation seitens der Universitätsleitung herausgestellt – interne Öffentlichkeitsarbeit und Informationsaustausch blieben sowohl bei der Namensgebung, der Einführung eines neuen akademischen Kalenders, der Umstellung der Studiengänge, als auch bei Gerüchten „ohne faktische Grundlagen“, wie beispielsweise einem geplanten Audimax ein Opfer von Schnelligkeit und fehlerhaftem Kommunikationsverhalten.
oder Politikreferat des ASTA:
Technokratisch, nachhaltig selektionsorientiert. [...] Wer beispielsweise schon einmal im Land- oder Bundestag war, ein Stipendium genossen, einen Preis auf Bundesebene gewonnen, ein Unternehmen gegründet und geführt, einen mehrmonatigen Auslandsaufenthalt absolviert sowie eine abgeschlossene Berufsausbildung genossen hat, darf sich auf die Sonnenseite zählen. Das durchschnittliche Alter für die Erlangung der Hochschulzugangsberechtigung liegt allerdings zwischen 18 und 19 Jahren. Zu jenem Zeitpunkt bereits Mitglied im Land- oder Bundestag zu sein oder ein Unternehmen geführt zu haben, amüsiert die/den geneigteN LeserIn zurecht nicht zu knapp. [...] Sollte sich doch noch ein Studierender aus einer sozial „prekären“ Schicht, wie es so schön heißt, durch das Aufnahmeprozedere verirren, so hat sie/er es nicht leicht. Zum nebenbei Jobben ist der Bachelor nicht ausgelegt. Sein vorgefertigter Stundenplan sieht die größtmöglichste Wissensverwertung (viel und schnell auswendig lernen) in der kleinstmöglichen Zeitspanne (und somit auch den größtmöglichem Portemonnaieinhalt der Familienangehörigen) vor. Das Humboldt-Ideal eines freien, seinen Neigungen entsprechenden Studiums rückt in Deutschland somit in scheinbar unerreichbare Weiten. In den Semesterferien sind zudem Pflichtpraktika in Vollzeit vorgesehen – wieder nichts mit Lebensunterhalt verdienen. Und dabei wäre das im Zeitalter der Studiengebühren nun wirklich dringend geboten. [...] Häufig wird den Studienreform-KritikerInnen unterstellt, prinzipiell nicht offen für neue Strukturen zu sein. Internationalisierung sei wichtig für die Vergleichbarkeit der Abschlüsse und damit die Wettbewerbsfähigkeit, so heißt es. Sicherlich ist Internationalisierung
notwendig, da diese den kulturellen Austausch erleichtert und damit zu der Vergrößerung von Diversität und Innovationen beiträgt. Dennoch sollte hierbei nicht vergessen werden, wer oder was von dieser Internationalisierung ausgenommen wird. Und dies geht stets zu Lasten der benachteiligten Bevölkerungsgruppen, ob nun im Zuge des Bologna-Prozesses auf europäischer Ebene, oder der Globalisierung auf internationaler Ebene – so jedenfalls bitte nicht.
oder die UmWis Mathias Schröter und Sebastian Heilman, die KuWi Johanna Eisenschmidt und der KuWi Jan-Sebastian Ebert:
...Dieser Prozess war in dieser Form einer Universität nicht würdig. Die Hochschulöffentlichkeit wurde mit einem von der Hochschulleitung gemeinsam mit einer Werbe-Agentur ausgewählten Namen konfrontiert, den die meisten zuvor noch nicht gehört haben dürften. Wenn sich eine Universität einen Namen gibt, sollte dies gemeinsam mit den Universitätsangehörigen in einem offenen Diskurs erfolgen. Universitäten sind keine Wirtschaftsunternehmen, bei denen eine Werbe-Agentur das „branding“ übernehmen kann und sollte. [...] Die äußere Hülle der Uni wird chic und neu: Ein alter Name ist gefunden, der keinem etwas sagt. Der Campus wird architektonisch neu gestaltet (woher kommt das Geld dafür?), sodass der äußere Anschein vermittelt: Hier sehen Sie die neugeborene Leuphana Universität, wo mur die Fleißigsten und Klügsten studieren. Leider fehlt es im Inneren am Wichtigsten: Fähige Lehrende, die langfristig angestellt sind. [...] Leuphana Universität Lüneburg – klingt nach wie vor wie Nasenspray. [...] Für die meisten Leute in Uni und Stadt
stellte er sich von Anfang an so dar, als wenn Leute aus der Beraterbranche „bei uns im Hause“ ihre vorgefertigten Managementstrategien anwenden (sprich: aus Lüneburg ein zweites St. Gallen machen) wollen und sich nicht im Geringsten darum kümmern, mit welcher kulturellen Basis sie es hier vor Ort zu tun haben. [...] Die wohl größte und nach wie vor latente Befürchtung ist diejenige, einfach abserviert zu werden. Wir haben hier nach wie vor Einstellungsstopp, maximale Einsparungen und die Hoffnungen, dass die Neuausrichtung schnell etwas daran ändert, sind nur sehr schwach. Denn, wenn kein Geld für Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter da ist, aber Kapazitäten in ein neues Studienmodell investiert werden, habe nicht nur ich den Verdacht, dass es die momentan eingeschriebenen Studierenden sein werden, die unter dem neuen Modell eher leiden werden. [...] Audimax: What the f**k?!? Die größte Vorlesung hier an der Uni füllt knapp den Hörsaal 2, also was brauchen wir’s!?! Argumente dafür lassen auf sich warten…
Und last not least der studentische Senator Caspar Heibl:
...Dann wird das Damokles-Schwert der Schließung aufgehängt und das durch Kürzungen und Stellenabbau überlastete Personal und Professorium, sofern noch nötig, gegeneinander ausgespielt. Abtritt Universität Lüneburg, Ruhe in Frieden. Auftritt der totgeglaubten, wie Phönix aus der Asche wird sie als Leuphanawiedergeboren! Leistungsorientiert, autonom, in einem mitkonstruiertem Wettstreit um das spärliche Geld von öffentlicher und privater Hand, Frontkämpferin in einem globalen Krieg um Begabung, der Umgestaltung der Gesellschaft durch die Ausbildung von Leistungs- zu Funktionselite verpflichtet, unabhängig von lästiger Beeinflußung durch die Politik. Lästige Vorgaben zur sozialen Öffnung können abgestreift werden, auch das Korsett einer politischen Ideologie, die den Hochschulen aufzwingen wollte, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und mehr Bildung zu wagen. (Willy Brandt war also doch ein gleichmacherischer Kommunist, wie es scheint...) [...] Sehr einfallsreich, so der Eindruck des Verfassers sind die meisten dieser Ideen nicht, zumindest nicht für Menschen, die bereits von anderen Hochschulen vernommen haben, das diese nun Leuchtürme bauen, auf einzigartige Weise Forschung, Lehre und Transfer verbinden, die besten Studierenden und ForscherInnen anwerben, bestmöglichst qualifizierte Arbeitskräfte ausbilden, in der Forschung eine mindestens europaweite Spitzenposition anstreben, der regionalen bis internationalen Wirtschaft mit beständiger Innovation helfen, mit teurer Weiterbildung Geld verdienen, ein superduper konzipiertes Studium mit 24/7 Anwesenheitspflicht und die Studierenden mit völlig neuartigen Soft Skills zu überall einsetzbaren Arbeitskraftmodulen zu formen. [...] Doch landet diese Autonomie beim Hochschulpräsidium und führt in Verbindung mit den nun modischen „straffen, effizienten Entscheidungsstrukturen“ zu Konflikten innerhalb der Hochschule zwischen dem Präsidium und den Statusgruppen, bzw. zwischen letzteren.
Auch das berechtigte Interesse der Öffentlichkeit, die die Hochschulen (noch!) finanziert, des lokalen Umfeldes der Hochschule (die Universität Lüneburg ist wichtigster Wirtschaftsfaktor der Region Lüneburg), der Politik, die vielleicht die Hochschulen doch ein bischen mitlenken will, der StudienbewerberInnen, die eine Hochglanzfassade wenig interessiert, all dies muss wohl in Zukunft zurücktreten zugunsten der „unternehmerisch handelnden Hochschule“, die ihre Marktstrategie nicht verraten will, gar Wirtschaftsspionage fürchtet. [...] Eine Universität, die ein neuartiges Studienmodell, eine neuartige Organisationsform und den entschiedenen Einsatz für die Lösung gesellschaftlicher Probleme leben möchte, wäre gut beraten, sich ihr internes Fachwissen zu nutze zu machen. Der Autor dieser Stellungnahme beispielsweise studiert Diplom-Erziehungswissenschaften mit dem (einzig vorgesehenen) Schwerpunkt Weiterbildung und Organisationsentwicklung, und vermutet, das das Fach einen Beitrag zur Neuausrichtung der Uni hätte liefern können. Da die Schwerpunkt-Professur seid ungefähr 5 Jahren nicht besetzt ist, kann der Autor nur raten. Entscheidend ist hier aber, das die Erziehungswissenschaften nur noch als Nebenfach weitergeführt werden, da es niemand gab, der die Disziplin im Wettstreit um die begehrte Zulassung als Hauptfach hätte vertreten können. [...] Ausgesprochen absurd mutet die eigenwillige Interpretation des Bologna-Prozeß an: In der druckfrischen Leuphana® -Selbstdarstellungsbroschüre wird zuerst behauptet, der Bologna-Prozess sei mit der Einführung von Bachelor und Master umgesetzt. Diese dreiste Behauptung wird noch gekrönt von der wagemutigen Behauptung, das die „Umsetzung der Bologna-Reformen das Organisationschaos manch bisheriger Studiengänge beseitigt“ habe. [...] Das die neuen Studiengänge den alten überlegen seien, darf zumindest für die Leuphana® Universität Lüneburg als teilweise falsch gelten und wurde auch vom jetzigen Präsidium mehrfach bestätigt. Nicht angepasste Prüfungsformen, massive Überbuchung des Workload mit in Hochphasen 50 Stunden Workload (Studienzeit) pro Woche, unklare Zuständigkeiten, Regelungslücken, magelnde Überarbeitung der Studieninhalte sind zwar nicht nur in Lüneburg als Kinderkrankheiten der neuen Studienformen zu sehen. Eine Behebung des Organisationschaos wäre aber wohl eher durch eine personelle Verstärkung der Verwaltung zu erreichen. [...] Das College wird Erfolg haben, wenn „alle Beteiligten Lehren und Lernen als Privileg verstehen“, so der snobistische Ansatz. Bildung als Grundrecht zu betrachten, scheint den Schöpfern der Leuphanaoffensichtlich zu hippiemäßig. [...] Die angedachten Interviews zur Auswahl von StudienbewerberInnen kommen hier gerade recht. So haben Auswahlgespräche nach Stand der Forschung zwar minimale Aussagekraft für den Studienverlauf, wie z.B. Oliver Wilhelm, Psychologe an der HU Berlin, gestern gegenüber der SZ verdeutlichte. [...] Doch soll nicht nur gepaukt, sondern auch und gerade Neues und Unbekanntes entdeckt werden. Die Leuphana-Studierenden sollen nicht mit möglichst kleinem Aufwand der Abschluß machen, sonder die Bereitschaft besitzen, Zeit und Energie für Unbekanntes und Unerwartetes zu investieren. Theoretisch eine sehr positive Idee. Aber auch nur theoretisch. In der Praxis dürfte diese Wissenslust aufgrund des finanziellen Druck durch Studiengebühren(kredite) und BaföG-Schulden nur bei Sprößlingen reicher Eltern gedeihen. Das dürften auch diejenigen sein, die den völlig absurden Katalog der Bonuspunkte für die Studienplatzbewerbung nutzen könnten. Wer gerade in den Bundestag gewählt wurde oder zumindest einen Sieg bei Jugend forscht sein/ihr eigen nennt, bekommt immerhinein paar Bonuspunkte. Wer doch nur teilgenommen hat, nur Kandidatin war, es nur bis zum Klassensprecher geschafft hat, oder so blöd war, statt der eigenen Firma nur eine Jugendgruppe zu leiten, bekommt natürlich keine Bonuspunkte für die Bewerbung. „Peanuts“ würde ein Freund unseres neuen Studienmodelles wohl dazu sagen. [...] Was genau bedeutet eigentlich Humanistisch, Handlungsorientiert, Nachhaltigkeit? Ist Nachhaltigkeit auch sozial gedacht? Ist humanistisch im bürgerlichen Sinne zu verstehen? Wozu und für was handeln? Lassen sich aus SchülerInnen starke Persönlichkeiten formen, wenn diese vom ersten Semester an intensive Allgemeinbildung, direkten Transfer, Anwendung von Theorien an konkreten Problemstellungen, überdurchschnittlichen Zeitaufwand, ehrenamtliches Engagement und zeitnahe Leistungserstellung bieten müssen? Werden diese Studierende in den drei Jahren Bachelor jemals den Campus verlassen, wenn es ein nicht studienrelevanter Termin ist?
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